Das Haus der Arbeitsfähigkeit

EIN KERN­MO­DELL DER LEIS­TUNGS- UND ARBEITS­FÄ­HIG­KEIT MIT VIE­LEN ANWENDUNGSMÖGLICHKEITEN
Das Haus der Arbeitsfähigkeit nach Prof. Dr. Juhani Ilmarinen (Finnish Institute of Occupational Health)
Leis­tungs­fä­hig­keit ist die Vor­aus­set­zung für die Arbeits­fä­hig­keit einer Per­son. Arbeits­fä­hig­keit beschreibt, inwie­weit eine Per­son in der Lage ist, ihre Arbeit ange­sichts der Arbeits­an­for­de­run­gen, Gesund­heit, men­ta­len Res­sour­cen, Qua­li­fi­ka­tio­nen, Wer­te und Ein­stel­lun­gen zu bewältigen.

Arbeits­fä­hig­keit ist die Über­ein­stim­mung zwi­schen dem, was ein Unter­neh­men dau­er­haft ver­langt und dem, was eine Per­son leis­ten kann und will. Die Fak­to­ren, die die­se Über­ein­stim­mung beein­flus­sen, wer­den im Modell „Haus der Arbeits­fä­hig­keit“ nach Prof. Ilma­ri­nen zusammengefasst.

Opti­mie­rung der Arbeits­fä­hig­keit

gelingt, wenn alle Aspek­te im „Haus“ mit ihren wech­sel­sei­ti­gen Pro­zes­sen berück­sich­tigt wer­den. Es liegt weder nur an den Füh­rungs­kräf­ten noch nur an den Arbei­ten­den noch nur an ihrer Arbeit oder Arbeits­um­ge­bung, ob Arbeit sou­ve­rän, gesund, erfolg­reich aus­ge­führt wer­den kann oder nicht. 

Opti­ma­le Arbeits­fä­hig­keit bedeu­tet, dass die Men­schen mit den ihnen zur Ver­fü­gung ste­hen­den Res­sour­cen die gefor­der­te Arbeit meis­tern kön­nen. Dies ist als ein fort­dau­ern­der, dyna­mi­scher Pro­zess zu ver­ste­hen, da sowohl die ein­zel­nen Mit­ar­bei­te­rIn­nen als auch das Unter­neh­men sich den ver­än­dern­den Gege­ben­hei­ten immer wie­der neu anpas­sen müs­sen. Dafür braucht es viel­fäl­ti­ge, aber auf­ein­an­der abge­stimm­te › Maß­nah­men.

Eta­ge Gesundheit

Kör­per­li­che, psy­chi­sche und men­ta­le Leis­tungs­fä­hig­keit bil­den das Fun­da­ment. Die bio­psy­cho­so­zia­le Gesund­heit ist die Grund­la­ge für alle wei­te­ren Eta­gen. Gesund­heit ist mehr als das Feh­len von Krank­heit (sie­he › Gesund­heits­coa­ching) und umfasst auch die psy­chi­sche und sozia­le Dimen­si­on des Men­schen. Gesund­heit ist zudem nicht nur etwas objek­tiv Fest­stell­ba­res, son­dern auch etwas sub­jek­tiv Erlebtes.

Ohne Gesund­heit kann eine Per­son nicht arbei­ten. Gesund­heit­li­che Ein­schrän­kun­gen haben Aus­wir­kun­gen auf die Arbeits­fä­hig­keit – umge­kehrt wird Arbeits­fä­hig­keit opti­miert, wenn Gesund­heit geför­dert wird.

Eta­ge Kompetenz
Unent­behr­lich für den Erhalt von Arbeits­fä­hig­keit sind eine gute Qua­li­fi­ka­ti­on und je nach Tätig­keit spe­zi­el­le Kom­pe­ten­zen, wie auch das Ein­set­zen-Kön­nen der eige­nen Fähig­kei­ten und Fertigkeiten.

Mit­ar­bei­te­rIn­nen müs­sen gut aus­ge­bil­det sein, an der „rich­ti­gen Stel­le“ ein­ge­setzt wer­den und Ange­bo­te bekom­men, um sich kon­ti­nu­ier­lich wei­ter zu qua­li­fi­zie­ren. Dar­über hin­aus ist es von Bedeu­tung, wie sou­ve­rän eine Per­son mit Neu­em, mit wech­seln­den Auf­ga­ben und mit Ver­än­de­run­gen umge­hen kann und die eige­nen Res­sour­cen dafür als aus­rei­chend erlebt. Das mit dem Altern zuneh­men­de Erfah­rungs­wis­sen unter­stützt den Umgang mit sozi­al kom­ple­xen Situa­tio­nen, ersetzt aber nicht die stän­di­ge fach­li­che Wei­ter­ent­wick­lung. In der heu­ti­gen sich fort­lau­fend ver­än­dern­den Arbeits­welt wird das lebens­lan­ge Wei­ter­ler­nen immer wichtiger.

Eta­ge Werte

Die Wert­hal­tung und die per­sön­li­che Ein­stel­lung einer Per­son prä­gen das gesam­te Ver­hal­ten und beein­flus­sen die Moti­va­ti­on. Wer­te sind der Kom­pass für mensch­li­ches Han­deln – im Beruf wie auch im Pri­va­ten. Das Wer­te-Stock­werk ist am engs­ten mit dem obers­ten Stock – den Arbeits­be­din­gun­gen, der Füh­rung, den Anfor­de­run­gen und Hand­lungs­spiel­räu­men –  verbunden.

Für eine gute Arbeits­fä­hig­keit ist es wich­tig, dass die eige­nen Wert­vor­stel­lun­gen im Ein­klang mit den Leit­li­ni­en des Unter­neh­mens ste­hen. Hier­aus resul­tiert eine emo­tio­na­le Anbin­dung und Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dem Arbeit­ge­ber. Sinn am Arbeits­platz för­dert Gesund­heit am Arbeits­platz.
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Eta­ge Arbeit

Das vier­te Stock­werk des Hau­ses – die Arbeit und das Manage­ment – nimmt den größ­ten Raum ein: Arbeits­an­for­de­run­gen und ‑bedin­gun­gen, der Arbeits­platz mit der Aus­stat­tung und benö­tig­ten Tech­nik, die Orga­ni­sa­ti­on und Struk­tur, das Arbeits­team mit den Kol­le­gIn­nen sowie die Vor­ge­setz­ten. Was „dort oben“ geschieht und ent­schie­den wird, hat deut­li­che Aus­wir­kun­gen auf die unte­ren Eta­gen. Der Bau die­ses Stock­werks ist sehr kom­plex, da er sich aus unter­schied­li­chen, eng ver­netz­ten Räu­men zusammensetzt.

Stu­di­en zur Arbeits­fä­hig­keit zei­gen auf, dass › Füh­rung den stärks­ten Ein­fluss­fak­tor auf Arbeits­fä­hig­keit dar­stellt. Füh­rung ist wesent­lich mit­ver­ant­wort­lich dafür, wie die Arbeits­an­for­de­run­gen und die Arbeits­um­ge­bung gestal­tet wer­den. Über Füh­rung wird auch der Hand­lungs­spiel­raum von Mit­ar­bei­tern bestimmt und deren Ein­stel­lun­gen und Moti­va­ti­on beeinflusst.

Der › Füh­rungs­kraft kommt bei der För­de­rung der Arbeits­fä­hig­keit eine Schlüs­sel­funk­ti­on zu. Sie gestal­tet die Arbeits­be­din­gun­gen mit und prägt so maß­geb­lich das Mit­ein­an­der und zwi­schen­mensch­li­che Kli­ma. Von ihrer Unter­stüt­zung und ihrem Füh­rungs­stil hängt es auch ab, ob aus Anfor­de­run­gen Über­for­de­run­gen werden.

Sicher ist Gesund­heit eine per­sön­li­che Auf­ga­be der ein­zel­nen Mit­ar­bei­te­rIn­nen. Jedoch han­delt der/​die Ein­zel­ne im Rah­men sei­ner jewei­li­gen Vor­aus­set­zun­gen, der ent­spre­chen­den Bedin­gun­gen und in der stän­di­gen Rück­kopp­lung zu ande­ren. Ohne die Betei­li­gung der Füh­rungs­kräf­te ist es kaum mög­lich, Arbeits­be­din­gun­gen in Rich­tung Wohl­be­fin­den zu verändern.

Neben Füh­rung spie­len Pro­zess­ergo­no­mie (wie pass­ge­naue Arbeits­ab­läu­fe, weni­ge stö­ren­de Unter­bre­chun­gen, zusam­men­hän­gen­de Tätig­kei­ten) und Arbeits­platz­ergo­no­mie eine wesent­li­che Rolle.

Die Gesell­schaft
Gesell­schaft­li­che und demo­gra­fi­sche Ver­än­de­rungs­pro­zes­se und kul­tu­rel­le Aspek­te haben wesent­li­che Aus­wir­kun­gen auf die Arbeits­fä­hig­keit der Erwerbs­tä­ti­gen einer Regi­on mit ihren sozio­öko­no­mi­schen und öko­lo­gi­schen Gege­ben­hei­ten. Eben­so haben poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen, Geset­ze und Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen deut­li­chen Ein­fluss auf jedes „Haus der Arbeitsfähigkeit“.
Die Fami­lie und das per­sön­li­che Umfeld 
Pri­va­ter und beruf­li­cher Erfolg hän­gen eng zusam­men. Unter­stüt­zung durch die Fami­lie ist eine hohe Gesund­heits­res­sour­ce und kann erleb­te beruf­li­che Belas­tun­gen ausgleichen.

Jedoch kann sich beruf­li­cher Stress zu Hau­se ungüns­tig aus­wir­ken – und: Her­aus­for­de­run­gen und Bean­spru­chun­gen in der pri­va­ten Situa­ti­on und im sozia­len Umfeld spie­len eine gro­ße Rol­le im eige­nen Kräf­te­haus­halt und neh­men Ein­fluss auf das beruf­li­che Han­deln einer Person.