Das Haus der Arbeitsfähigkeit

EIN KERNMODELL DER LEISTUNGS- UND ARBEITSFÄHIGKEIT MIT VIELEN ANWENDUNGSMÖGLICHKEITEN

Leistungsfähigkeit ist die Voraussetzung für die Arbeitsfähigkeit einer Person. Arbeitsfähigkeit beschreibt, inwieweit eine Person in der Lage ist, ihre Arbeit angesichts der Arbeitsanforderungen, Gesundheit, mentalen Ressourcen, Qualifikationen, Werte und Einstellungen zu bewältigen.

Arbeitsfähigkeit ist die Übereinstimmung zwischen dem, was ein Unternehmen dauerhaft verlangt und dem, was eine Person leisten kann und will. Die Faktoren, die diese Übereinstimmung beeinflussen, werden im Modell „Haus der Arbeitsfähigkeit“ nach Prof. Ilmarinen zusammengefasst.

Optimierung der Arbeitsfähigkeit

gelingt, wenn alle Aspekte im „Haus“ mit ihren wechselseitigen Prozessen berücksichtigt werden. Es liegt weder nur an den Führungskräften noch nur an den Arbeitenden noch nur an ihrer Arbeit oder Arbeitsumgebung, ob Arbeit souverän, gesund, erfolgreich ausgeführt werden kann oder nicht.

Optimale Arbeitsfähigkeit bedeutet, dass die Menschen mit den ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen die geforderte Arbeit meistern können. Dies ist als ein fortdauernder, dynamischer Prozess zu verstehen, da sowohl die einzelnen MitarbeiterInnen als auch das Unternehmen sich den verändernden Gegebenheiten immer wieder neu anpassen müssen. Dafür braucht es vielfältige, aber aufeinander abgestimmte › Maßnahmen.

Etage Gesundheit

Körperliche, psychische und mentale Leistungsfähigkeit bilden das Fundament. Die biopsychosoziale Gesundheit ist die Grundlage für alle weiteren Etagen. Gesundheit ist mehr als das Fehlen von Krankheit (siehe › Gesundheitscoaching) und umfasst auch die psychische und soziale Dimension des Menschen. Gesundheit ist zudem nicht nur etwas objektiv Feststellbares, sondern auch etwas subjektiv Erlebtes.

Ohne Gesundheit kann eine Person nicht arbeiten. Gesundheitliche Einschränkungen haben Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit – umgekehrt wird Arbeitsfähigkeit optimiert, wenn Gesundheit gefördert wird.

Etage Kompetenz

Unentbehrlich für den Erhalt von Arbeitsfähigkeit sind eine gute Qualifikation und je nach Tätigkeit spezielle Kompetenzen, wie auch das Einsetzen-Können der eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten.

MitarbeiterInnen müssen gut ausgebildet sein, an der „richtigen Stelle“ eingesetzt werden und Angebote bekommen, um sich kontinuierlich weiter zu qualifizieren. Darüber hinaus ist es von Bedeutung, wie souverän eine Person mit Neuem, mit wechselnden Aufgaben und mit Veränderungen umgehen kann und die eigenen Ressourcen dafür als ausreichend erlebt. Das mit dem Altern zunehmende Erfahrungswissen unterstützt den Umgang mit sozial komplexen Situationen, ersetzt aber nicht die ständige fachliche Weiterentwicklung. In der heutigen sich fortlaufend verändernden Arbeitswelt wird das lebenslange Weiterlernen immer wichtiger.

Etage Werte

Die Werthaltung und die persönliche Einstellung einer Person prägen das gesamte Verhalten und beeinflussen die Motivation. Werte sind der Kompass für menschliches Handeln – im Beruf wie auch im Privaten. Das Werte-Stockwerk ist am engsten mit dem obersten Stock – den Arbeitsbedingungen, der Führung, den Anforderungen und Handlungsspielräumen –  verbunden.

Für eine gute Arbeitsfähigkeit ist es wichtig, dass die eigenen Wertvorstellungen im Einklang mit den Leitlinien des Unternehmens stehen. Hieraus resultiert eine emotionale Anbindung und Identifikation mit dem Arbeitgeber. Sinn am Arbeitsplatz fördert Gesundheit am Arbeitsplatz.
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Etage Arbeit

Das vierte Stockwerk des Hauses – die Arbeit und das Management – nimmt den größten Raum ein: Arbeitsanforderungen und -bedingungen, der Arbeitsplatz mit der Ausstattung und benötigten Technik, die Organisation und Struktur, das Arbeitsteam mit den KollegInnen sowie die Vorgesetzten. Was „dort oben“ geschieht und entschieden wird, hat deutliche Auswirkungen auf die unteren Etagen. Der Bau dieses Stockwerks ist sehr komplex, da er sich aus unterschiedlichen, eng vernetzten Räumen zusammensetzt.

Studien zur Arbeitsfähigkeit zeigen auf, dass › Führung den stärksten Einflussfaktor auf Arbeitsfähigkeit darstellt. Führung ist wesentlich mitverantwortlich dafür, wie die Arbeitsanforderungen und die Arbeitsumgebung gestaltet werden. Über Führung wird auch der Handlungsspielraum von Mitarbeitern bestimmt und deren Einstellungen und Motivation beeinflusst.

Der › Führungskraft kommt bei der Förderung der Arbeitsfähigkeit eine Schlüsselfunktion zu. Sie gestaltet die Arbeitsbedingungen mit und prägt so maßgeblich das Miteinander und zwischenmenschliche Klima. Von ihrer Unterstützung und ihrem Führungsstil hängt es auch ab, ob aus Anforderungen Überforderungen werden.

Sicher ist Gesundheit eine persönliche Aufgabe der einzelnen MitarbeiterInnen. Jedoch handelt der/die Einzelne im Rahmen seiner jeweiligen Voraussetzungen, der entsprechenden Bedingungen und in der ständigen Rückkopplung zu anderen. Ohne die Beteiligung der Führungskräfte ist es kaum möglich, Arbeitsbedingungen in Richtung Wohlbefinden zu verändern.

Neben Führung spielen Prozessergonomie (wie passgenaue Arbeitsabläufe, wenige störende Unterbrechungen, zusammenhängende Tätigkeiten) und Arbeitsplatzergonomie eine wesentliche Rolle.

Die Gesellschaft

Gesellschaftliche und demografische Veränderungsprozesse und kulturelle Aspekte haben wesentliche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Erwerbstätigen einer Region mit ihren sozioökonomischen und ökologischen Gegebenheiten. Ebenso haben politische Entscheidungen, Gesetze und Ausführungsbestimmungen deutlichen Einfluss auf jedes „Haus der Arbeitsfähigkeit“.

Die Familie und das persönliche Umfeld

Privater und beruflicher Erfolg hängen eng zusammen. Unterstützung durch die Familie ist eine hohe Gesundheitsressource und kann erlebte berufliche Belastungen ausgleichen.

Jedoch kann sich beruflicher Stress zu Hause ungünstig auswirken – und: Herausforderungen und Beanspruchungen in der privaten Situation und im sozialen Umfeld spielen eine große Rolle im eigenen Kräftehaushalt und nehmen Einfluss auf das berufliche Handeln einer Person.